Artikelserie: Was dir die Welt gerade zeigen will

Erinnerst du dich an den 21. Dezember 2012? Es war eines jener Daten, die monatelang im Voraus durch die Medien geisterten, mit einer Mischung aus Sensationslust und echter Unsicherheit. Der Maya-Kalender endet. Die Welt geht unter. Und dann kam der 22. Dezember, völlig unspektakulär, wie jeder andere Tag auch, und die Mayas wurden von vielen als falsche Propheten abgetan, deren Kalender sich als leere Drohung erwiesen hatte.

Aber die Mayas hatten nie einen Weltuntergang prophezeit. Das ist eine der größten Fehldeutungen, die sich in der modernen Rezeption alter Überlieferungen eingeschlichen hat, und sie sagt viel mehr über unsere eigene kollektive Angst aus als über das, was die Mayas tatsächlich beschrieben haben.

Was wirklich endete

Die Mayas hatten ein zyklisches Weltbild, in dem sich die Zeit nicht linear von einem Anfang zu einem Ende bewegt, sondern in großen Rhythmen und Wellen, die kommen und gehen. Jede Epoche besitzt ihren eigenen Charakter, ihre besondere Qualität sowie spezifische Herausforderungen und Möglichkeiten. Wenn eine solche Weltepoche zu Ende geht, entsteht eine neue Phase mit veränderten Energien, neuen Entwicklungsmöglichkeiten und einem anderen kollektiven Bewusstseinsfeld.

Was an diesem Datum aus spiritueller Sicht für viele endete, war daher nicht einfach ein Kalenderabschnitt, sondern symbolisch der Abschluss eines großen, fast 26.000 Jahre umfassenden kosmischen Zyklus, der mit dem Wandel großer Weltzeitalter verbunden wird. Dieser Übergang steht für den natürlichen Abschluss einer langen Entwicklungsphase und den Beginn einer neuen Epoche. Für die Mayas bedeutete ein solcher Wechsel keinen Untergang, sondern Transformation, Erneuerung und den Eintritt in einen neuen großen Rhythmus der Menschheitsentwicklung.

Eine Gruppe aus Frauen steht im Kreis - Mayas

Das gemeinsame Muster

Was mich immer wieder fasziniert, wenn ich die großen Traditionen der Menschheit miteinander vergleiche, ist, wie viel sie trotz aller äußerlichen Unterschiede gemeinsam haben. Das Christentum spricht von Apokalypse und Erneuerung. Das Judentum von der messianischen Zeit. Der Islam vom Tag des Jüngsten Gerichts und der Erneuerung. Der Hinduismus vom Kali Yuga und dem Übergang in ein neues Zeitalter. Die nordische Mythologie vom Ragnarök, nach dem eine neue Welt entsteht. Und die Mayas von einem Zykluswechsel, der eine neue Epoche einläutet.

Überall dasselbe Grundmuster: Etwas Altes endet, etwas Neues entsteht. Eine Epoche geht, eine andere kommt. Der Unterschied liegt nicht im Muster selbst, sondern in der Deutung, und genau diese Deutung entscheidet darüber, ob man diesem Übergang mit Angst oder mit Vertrauen begegnet.

Eine Frau mit geschlossenen Augen auf einem weißen Hintergrund - Mayas

Wo wir gerade stehen

Wir stehen mitten in einem solchen Zykluswechsel, und alles, was wir gerade in der Welt beobachten, lässt sich als Teil dieses Übergangs verstehen. Strukturen, die zur alten Epoche gehörten, lösen sich auf, weil sie in der neuen keinen Platz mehr haben. Energien, die lange im Verborgenen lagen, kommen an die Oberfläche. Und gleichzeitig entstehen, leise und oft noch kaum sichtbar, die Keime von dem, was die neue Epoche tragen wird.

Buch Ende Gut Alles Gut Warum die Welt gerade Kopf steht und am Ende doch alles gut wird von Ingrid Auer

Als feinfühliger Mensch stehst du an einer besonderen Stelle in diesem Prozess. Du nimmst sowohl das Alte wahr, das sich auflöst, als auch das Neue, das entstehen will, und diese doppelte Wahrnehmung kann sich manchmal sehr widersprüchlich anfühlen. Schwellen sind unbequem, das war schon immer so. Sie sind weder hier noch dort, und in diesem Dazwischen liegt eine spezifische Art von Spannung, die man am besten aushält, wenn man weiß, dass sie zu jedem echten Übergang gehört und dass sie irgendwann in etwas Neuem landet.

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