Manchmal „braucht“ es einen lauten Weckruf

„Viele Menschen fühlen sich instinktiv und magisch vom falschen Partner angezogen. Sie suchen Ergänzung – aber meist finden sie eine Ergänzung des Mangels, in der sich die Mängel potenzieren. Zwei Einbeinige kommen zusammen ja nicht schneller voran. Deshalb gehen so viele Beziehungen schief. Unrealistische Partner-Bilder kursieren zuhauf in einer Gesellschaft, die schneller urteilt, als sie denken kann, … die Gefühle mit Sentimentalität und Wirklichkeit mit Fiktion verwechselt.“[1]

Uns Frauen hat die Natur mit der großen Gabe der intuitiven Vorahnung ausgestattet, doch die schlummert sehr oft nur vor sich hin. Das „feminine Wahrnehmungsteleskop“, wie Clarissa Pinkola-Estés es nennt, ist nicht ganz präzise ausgerichtet und die Schärfenadjustierung noch nicht auf Weitsicht eingestellt. Deshalb nehmen wir das Verborgene und Hintergründige in einem potenziellen Partner anfangs oft nur sehr verschwommen wahr. Und drücken diese innere Stimme weg, die mit unseren weiblichen Urinstinkten verbunden ist und uns vor möglichen Beziehungsfallen warnt.

Doch manchmal „braucht“ es einen lauten Weckruf, und der fällt nicht immer angenehm aus. Nämlich dann nicht, wenn wir beispielsweise nach jahrelangem unscharfen Hinschauen unsanft wachgerüttelt und gezwungen werden, ganz genau zu erkennen, an wessen Seite wir unser Leben eingerichtet haben. Manchmal ist diese Erkenntnis mit sehr viel Schmerz und Federn-Lassen verbunden und manchmal kommen wir noch mit dem Schrecken davon.

Deshalb ist es wichtig, dass wir Frauen die in uns angelegte Urnatur mit aller Kraft wiederbeleben, und zwar möglichst schon VOR einem schmerzhaften Weckruf. Egal, wie sehr wir in unseren Kulturen oder Familien daran gehindert wurden, unsere weibliche Urnatur zu leben: Eine Frau, die den tiefen Kontakt zu ihrer weiblichen Seele vorübergehend verloren hat, kann ihn jederzeit wieder aktivieren. Letztendlich geht es um die Entwicklung unseres spirituellen und persönlichen Bewusstseins. Denn diese innere Kraft unterstützt uns immer wieder, uns aus den tiefsten Tiefen unseres Lebens emporzuheben um den Gipfel des Glücks und der Zufriedenheit zu ersteigen.

[1] Zitat aus dem Buch „Der letzte Scheißkerl“ von Roman Maria Koidl

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Gehe deinen weiblichen Weg, aber verliere dich dabei nicht!

In Zeiten von „Alles-ist-machbar-wenn-du-nur-willst“ gibt es eine Menge an Angeboten, die alle das Ziel haben, Frauen wieder mehr an ihre Weiblichkeit heranzuführen. Doch leider führen manche davon ins Nichts. Warum? Weil Frauen, die ihre Weiblichkeit mit ihrem Verstand im Außen suchen und mithilfe von weiblichem Schnickschnack zum Ausdruck bringen wollen, anstatt sich auf einen tiefen inneren Prozess einzulassen nur an der Oberfläche hängen bleiben, ihren Weg niemals finden werden.

Das Problem mit falsch verstandener Weiblichkeit

Ein riesengroßer Wirtschaftszweig profitiert heute mehr denn je von falsch verstandener Weiblichkeit, die leider kommerziell ausgeschlachtet wird. Mittlerweile führen Mode- und Kosmetikkonzerne, Schönheitschirurgen und Fitnessgurus im Leben vieler Frauen Tag für Tag Regie und suggerieren ihnen ein, wie sie auszusehen und was sie zu tun (also: zu kaufen) hätten, um noch viel attraktiver und „weiblicher“ auf andere Frauen (Konkurrentinnen) und Männer (potenzielle Partner oder Spielgefährten) zu wirken.

Doch echte Weiblichkeit hat so gut wie nichts mit hübschen Kleidern zu tun; auch nichts mit Frauen-Selbstfindungskursen, mit Frauen-Business, mit Kosmetik, mit Schmuck, mit sexy Lingerie oder mit sogenannten weiblichen Verführungskünsten.

Denn gelebte Weiblichkeit ist

  • eine innere Haltung,
  • mehr als nur die Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht,
  • mehr als eine intellektuelle Entscheidung für das Frau-Sein und
  • mehr als weibliche Emanzipation

Echte Weiblichkeit ist eine Urkraft, eine „Uressenz“ bzw. ein bestimmtes inneres Bewusstsein, mit dem jede Frau von Natur aus ausgestattet ist. Doch sie wird mit dem, was die Gesellschaft fälschlicherweise als „Weiblichkeit“ bezeichnet, zugemüllt und überdeckt.

Wir Frauen machen uns doch selber etwas vor

Unsere Generation lebt in einer Zeit der großen Illusionen und Selbsttäuschungen. Die virtuelle Welt, die uns überall umgibt, stärkt auch in uns Frauen den Glauben, dass wir uns stets noch besser oder noch schöner präsentieren müssen, als wir von Natur aus sind bzw. wir uns selbst empfinden. Denken wir doch beispielsweise nur an die Bildbearbeitungsprogramme am Computer, mit denen wir unsere Fotos verändern, indem wir unsere Falten und Fettpölsterchen wegretuschieren, bevor wir sie auf Facebook oder in andere Social-Media-Netzwerke stellen. Oder bevor wir sie an unsere Bewerbungsschreiben dranhängen bzw. in der Online-Partnerbörse hochladen.

Die Schweizerin Maitreyi D. Piontek brachte solch falsch verstandene Weiblichkeit folgendermaßen auf den Punkt: „Um einen Mann zu kriegen, besprühen sich Frauen mit künstlichen Pheromonen, vergrößern ihren Busen mit Silikon, spritzen sich Botox unter die Haut und peppen sich ab und zu mit einer Linie Koks etwas auf.“[1] Natürlich trifft das nicht auf jede von uns Frauen zu, doch eine starke Entwicklung in diese Richtung lässt sich weltweit beobachten.

Auch Spiritualität wird oft falsch verstanden

Spiritualität hat nicht unbedingt etwas mit Religion zu tun; auch nicht mit Glauben, nicht mit Esoterik, nicht mit Meditieren, nicht mit Yoga, nicht mit Tantra, nicht mit Dualseelen, nicht mit Bachblüten und nicht mit Heilsteinen. Denn auch die Spiritualität ist so etwas wie eine Uressenz, die jeder Mensch und somit jede Frau in sich trägt. Egal, ob sie sich ihrer bewusst ist oder nicht. Egal, ob ihr Verstand sie ablehnt oder nicht. Weiblichkeit und Spiritualität sind wie zwei Schwestern, die eng miteinander verbunden sind.

Um aus dem spirituell-kommerziellen Labyrinth wieder herauszufinden, in dem sich viele Frauen auf der Suche nach ihrer Weiblichkeit verirrt haben, braucht es mutige Frauen,

  • die ihren ganz eigenen Weg gehen,
  • die mit ihrer weiblichen Seele wieder in Kontakt kommen möchten,
  • die sich vom „Frauenkommerz“ abwenden wollen,
  • die ihre Spiritualität neu entdecken und ihre Weiblichkeit leben wollen.

Kommen wir noch einmal zur weit verbreiteten Annahme zurück, dass man intensiv an sich arbeiten und lange trainieren muss, um zu noch mehr Weiblichkeit zu gelangen. Der Trugschluss dabei ist: Weder Spiritualität noch Weiblichkeit kann man sich durch Übungen bewusst aneignen oder antrainieren. Denn sowohl Weiblichkeit als auch Spiritualität tragen alle Frauen tief in ihrem Inneren. Es gilt vielmehr, sich von den alten, verkrusteten Schichten einer falsch verstandenen Weiblichkeit zu befreien.

Bist du bereit für deinen eigenen weiblichen Weg?

Es gibt verschiedene Wege, um die eigene Weiblichkeit neu für sich zu entdecken und zu leben. Dafür bedarf es deines aufrichtigen Wunsches und deiner ehrlichen Selbstverantwortung, denn es müssen dafür

  • alte Klischees über Bord geworfen,
  • männliche und weibliche Polaritäten erkannt,
  • die weiblichen Wurzeln wieder entdeckt,
  • seelische Verletzungen losgelassen und
  • weibliche Heilung zugelassen werden.

Wie wichtig es ist, dass sich gerade in der heutigen Zeit viele Frauen um ihre „weibliche Heimkehr“ kümmern, kannst du sicherlich erahnen. Aber noch wichtiger ist es, dass DU damit beginnst, deinen individuellen Weg für dich selbst zu entdecken und zu gehen. Kommst du mit mir mit?

[1] Piontek, Maitreyi. D.: Weibliches Manifest, München 2009, S. 25.

 

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